Sihlhalle 05/2019

Natur + Zivilisation

Lars Levi setzt sich in seinem Werk mit der Ästhetik der elementaren, kosmischen, lebendigen Welt der Materie und ihrer Inspiration für Evolution und Zivilisation auseinander. Entwicklung als konstanter Prozess. Ein Nebeneinanderstellen ohne Wertung.

TECHNIK

Die Leinwände sind in mehreren Schichten mit Metallen belegt und immer wieder chemisch bearbeitet. Verschiedene Lösungen reagieren hierbei mit Kupfer, Eisen, Messing, Aluminium, Edelstahl, Magnesium etc.. Zum Einsatz kommen ausserdem Katalysatoren, unterschiedliche Wärmeapplikationen und teilweise Säuren. Die Prozesse sind plan-, kontrollier- und weitestgehend reproduzierbar.

Die Projektile sind im 3D-Druckverfahren aus Polymerfäden entstanden.

Elementar vs. universal

Während der Produktion brodeln die Materialien auf der Leinwand und Gase verdampfen zischend. Atemschutzmaske, Handschuhe und Schutzbrille sind Pflicht. Der Prozess führt nah heran an die Ursprünge, das atomar Elementare von Physik und Chemie wird sichtbar. Elegant, ungezähmt, ursprünglich und rau.

Der Künstler erlebt die schöpferische Kraft, die in den Elementen steckt und im Alltag nur noch selten fassbar ist, weil wir meist die fertigen Produkte sehen. Veränderung der Materie ist überall, in unserer schnelllebigen Welt jedoch verhältnismässig langsam.

Der Betrachter sieht ein momentanes Gleichgewicht der mikroskopischen Elemente auf der Leinwand. Die Strukturen, Kristalle und Farben, die Dreidimensionalität der Materie auf der Leinwand ziehen ihn in das Geschehnis hinein.

Es erinnert aber auch an die kosmischen Gas- und Staubmassen im Weltraum, die sich mit enormer Geschwindigkeit und Energie bewegen, für uns Betrachter jedoch als Momentaufnahme friedlich, schwebend, ruhig erscheinen. 

Es liegt im Auge des Betrachters, ob das Werk eine Vergrösserung des Elementaren, oder eine Verkleinerung des grossen Ganzen sein soll.

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